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Find below a selection of texts and press articles around the project Still Lives / Good Work:

Politische Landschaften

Die Künstlerplattform Good Work kreiert in „Still Lives“ Echoräume für Städte und ihre Bewohner

Text: Constanze Klementz

Im Zentrum von „Still Lives“, einem Projekt des internationalen, in Berlin basierten Kollektivs Good Work steht eine Fotografie, die man nicht sieht. „The Stumbling Block“ des Bildenden Künstlers Jeff Wall taucht nicht auf an einem Abend, der doch um diese Aufnahme kreist. Walls Bild zeigt scheinbar eine gewöhnliche Straßenszene vor dem Asphaltgrau großstädtischer Häuserschluchten. Jemand stürzt. Passanten laufen weiter. Manche sehen weg, andere hin. Doch warum trägt einer eine Art Eishockeyrüstung und sitzt ein anderer im Anzug auf dem Pflaster?

Charakteristisch für Wall treibt sein Foto Unschärfen und Risse in die Wirklichkeit, die es abzubilden vorgibt. Nicht auf materieller Ebene, die bleibt hochglänzend perfekt. Einen Produktionsaufwand von hollywoodschem Ausmaß bietet der Fotograf für jedes Motiv auf. Man kann das sehen. Es ist der Grund für die Verunsicherung, die von ihnen ausgeht. Die Bilder wirken zu präzise, um realistisch zu sein, selbst wenn sie nicht wie „The Stumbling Block“ die Plausibilität des Alltäglichen schon im Motiv außer Kraft setzen. Sie erzeugen eine Leerstelle inmitten ihrer Kunst-Wirklichkeit, denn sie re-inszenieren, ja choreografieren Szenen als reine Oberflächen. Zwar ist die Wirkung dramatisch, doch ruhen sie so provokant in sich, dass beim Betrachter die Maschinerie der Imagination umso reger in Gang gesetzt wird. Im Endeffekt „macht“ er oder sie den dargestellten Moment.

Die choreografische Inszenierung „Still Lives“ nutzt dieses Potenzial. Es berührt im Kern dieselben Fragen, die das von Isabelle Schad, Bruno Pocheron und dem Architekten Ben Anderson 2003 gegründete transdisziplinäre Produktionslabel zusammenhält. Können Körper die Macht der Bilder, in denen sie repräsentiert werden, unterlaufen? In welcher Hinsicht schafft jede Wahrnehmung von Realität eigene Realitäten? Und vor allem: Wie lässt sich die gesellschaftliche Verflochtenheit von Verhältnissen und Individuum, Kontext und Handlung künstlerisch ins Bewusstsein bringen? Good Work hat einen klaren politischen Standpunkt und daher die Form einer „horizontalen Arbeitsstruktur“, was bedeutet: Konzepte und Stücke werden gemeinsam als Gruppe entwickelt. Projektweise stoßen Tänzer und Lichtdesigner, Videokünstler oder Architekten dazu.

Wenn Schad, Pocheron und die Good Work verbundenen Choreographen Manuel Pelmus und Frédéric Gies für „Still Lives“ in europäischen Städten Menschen auf der Straße zur spontanen Bildbeschreibung auffordern, erhalten sie berührend persönliche Aussagen. Gerade weil es nie um private Befindlichkeiten geht, sondern immer um „The Stumbling Block“. Der Zugriff der Befragten auf das Bild bezeugt vor allem ihre eigene Perspektive, was sie umgibt, was sie bewegt: ökonomische Existenzangst, soziale Gewalt, theoretische Debatten, manchmal auch nur die Sattheit bürgerlicher Kunstbetrachtung. Trotzdem erzeugte „Still Lives“ mit jeder seiner bisher sieben Stationen in Bukarest, Halle, Lille, Essen, Berlin, Hannover und Antwerpen kein neues repräsentatives Städtebild, sondern imaginäre Landschaften.

Bereits in „California Roll“ (2006 auf der Tanzplattform Stuttgart) beschäftigten sich die drei Good-Work-Gründer und die Performerin Hanna Hedman, mit dem Phänomen der Landschaftlichkeit. Die Landschaftsmalerei der Renaissance verknüpfte mit dem Begriff die Wahl eines Ausschnitts, den ein Gemälde aus der natürlichen Gesamtheit trifft. Erst der Blick des Malers macht aus Natur ein spezifische „Landschaft“. Eine solche haben Schad, Hedman und Pocheron in „California Roll“ angelegt. Sie besteht, soweit das Auge reicht, aus Bergen von Kleidungsstücken, auf denen sich die Drei wie auf einer farbigen Palette bewegen. Körper schälen sich auf dem Untergrund heraus und versinken in der Fläche. Dem Moment, in dem sich ein Bild herstellt, gilt das Interesse, stamme es nun aus dem Fundus klassischer Malerei oder alltäglicher Körperassoziationen. Schon damals ging es um eine Durchlässigkeit der Grenze zwischen dem so genannten Künstlerischen und Realen.

Die gesellschaftliche Realität des Choreografen ist die choreografische Produktion. Aus dieser Überzeugung gehen bei Good Work künstlerische mit strukturellen Fragen Hand in Hand. Die Projekte spiegeln in der Methode ihrer Erarbeitung den aktivistischen Kern wider, der die lose Formation zusammenhält. Den Begriff „Kollektiv“ mit seinen missverständlichen Romantizismen benutzt Isabelle Schad ungern. Good Work entstand in einer Phase, als ihr selbst der Glaube an kollektives Produzieren gerade völlig abging. Ihr Solo „Switch Position Freeze Control“, eine Studie zum Thema Selbstbeobachtung, hatte sie 2001 auch deshalb allein realisiert. Trotzdem setzt sie sich mit Bruno Pocheron und Ben Anderson zusammen und formuliert ein Plädoyer, unter welcher Bedingung sich eine nicht-hierarchische Zusammenarbeit realisieren ließe. Es ist die heikle Balance zwischen Eigenständigkeit und Verantwortung. Die Drei verschickten den Text an Kollegen. Er wurde zum Gründungsmanifest von Good Work, mit dem die Cie. Isabelle Schad mittlerweile fusioniert ist.

„Still Lives“ ist das bisher größte Projekt von Good Work. Die Interviews werden choreografisch für die Bühne bearbeitet. Jeweils vor Ort bringt ein öffentlicher Aufruf freiwillige Laien vom Jugendlichen- bis Senioren-Alter zu einem Workshop zusammen. Einfache Bewegungsaspekte wie das Fallen, Gehen oder Stillstehen werden den Bildbeschreibungen entnommen und in Aktionsmuster für die Gruppe umgesetzt. Manchmal wirken sie theatralisch. Doch oft bilden das abwesende Bild, die ungemein körperlichen Stimmen und die anwesenden Körper einen erzählerischen Hohlraum, der in letzter Konsequenz mit so poetischer wie politischer Energie die Imagination des Zuschauers im Theater anspricht. Mit seinem Ausgreifen in Stadträume und seiner sinnlichen Dichte verbindet „Still Lives“ Kunst- mit Wirklichkeitserfahrung und stellt ihre gegenseitige Durchdringung zur Disposition.

(Januar 2008)

Eine eigene Realität schaffen

Die Choreografin Isabelle Schad und Good Work

von Franz Anton Cramer
TdZ. November 2007

Schon lange hat sich namentlich in der Tanzkunst ein komplexes Geflecht aus Arbeitsstrukturen, Förderzusammenhängen, Rechercheprogrammen und Kol-.
laborationen aller Art gebildet, ohne das heute kein Tänzer oder Choreograf künstlerisch überleben könnte. Zum Arbeitsauftrag freier Gruppen oder Einzelkünstler gehört es mittlerweile auch, sich in diesem Wirrwarr aus Fördermittelvergabeträgern, Produzenten- und Koproduzentennetzwerken, Festivalverteilern, Residenzprogrammen und Gastspielveranstaltern sowie Auslandskulturinstituten seinen eigenen Parcours auszugestalten. Lange war dieser Kampf ums materielle und strukturelle Überleben als lästiges Übel verachtet worden: ein Schicksal, mit dem außer Pina Bausch und William Forsythe fast alle geschlagen waren, ein Stolperstein auf dem Weg zu künstlerischem Durchbruch und kunstwirtschaftlichem Bilanzerfolg.

Doch hat sich diese Auffassung, wenngleich eher der Not gehorchend, nicht dem eignen Triebe, verändert. Heute wird der Umgang mit den Malessen des freien Choreografieschaffens selbst zum Gegenstand künstlerischer Praxis. Im Umgang mit den konkreten Bedingungen, welche Kunst von Nicht-Kunst trennen oder welche umgekehrt die Kunst verweltlichen und die Welt verkunsten, oder mit denen derartige Austauschprozesse zumindest behauptet werden, entstehen neue Produktionsformen und vor
allem auch neue Ästhetiken.

Eine Protagonistin dieser Umbruchsgeneration ist die gebürtige Stuttgarterin Isabelle Schad. Mit ihrem 2003 gegründeten Indie-label Good Work hat sie, noch ehe das zur hochschul politischen Mode wurde, einen transatlantischen und paneuropäischen Kreativitäts-Cluster geschaffen, der nicht nur ein gutes Dutzend Individuen aus allen möglichen Ländern und Sparten (Choreografie,
Bildende Kunst, Architektur oder auch Produktionsmanagement)
vereint - neben Schad selbst etwa Bruno Pocheron, BenAnderson, Martin Belanger, Nuno Bizarro, Benolt Lachambre, Frederic Gies, Manuel Pelmus oder Susanne Beyer -, sondern mit seinen flachen Hierarchien und den gemeinschaftlichen Arbeitsweisen auch das auktoriale Dröhnen der Kunstwelt abdämpft.

Als gelernte Balletttänzerin und während der 90er-Jahre umtriebiges Kompaniemitglied in mehreren angesagten Gruppen aus Belgien und Deutschland, darunter Ultima Vez um Wim Vandekeybus und die Compagnie Felix Ruckert, begann Schad 1999 zunächst, kleinformatige eigene Stücke und Projekte zu erarbeiten. Kollaboration und Subversion waren dabei von Anfang an Zauberwörter.
’So gestaltete sie 200I mit "SwitchPositionFreezeControl" eine Solostudie über das Bewegungskontinuum, das man so gern mit dem Tanz gleichsetzt. Doch statt energetischer Entäußerung verstümmelte Schad die Körperlichkeit durch ständige Rückspul- und Pauseneffekte. So wie das konsumierbare Tanzwerk auf Video aufhört, geschaut werden zu müssen, so baute Schad den Stachel der inwendigen Kritik ein.

Die Frage nach Authentizität, Urheberschaft und Körperlichkeit bleibt seither virulent. Ebenso der Umgang mit dem Fetisch Leib. Zumal im Tanz sind Schulung, Virtuosität, das Junge und Hübsche zentrale Kategorien.

In ihrem Projekt "White Trash" (2004), das sie mit dem esoterischen Performance-Star Benoit Lachambre aus Kanada für ein Performance-Festival im nordfranzösischen Valenciennes entwickelt hat, sieht man beide Darstel-
ler wie in einer Art Trance langsam in einem mit Unmengen von
Haushaltspapier und ein paar Stühlen ausgestatteten, grauen Raum umhertappen und sukzessive ihre Gliedmaßen, später auch den eigenen Kopf mit Klopapier umwickeln; so wird aus dem Fetisch des Tanzes eine unförmige Skulptur, die trotz der cleanen Atmosphäre ganz andere Assoziationen provoziert: Gedankenmüll, Weichspülerei, Obsession und Anstaltswahn.

2005 zeigte Schad dann mit Martin Belanger ihre installative Performance "Leistung" - der Versuch, die Performance mit den Überlegungen gegeneinander zu schneiden, die zu ihr geführt haben. Im Raum schweben ein Discman, zwei Colaflaschen, eine Steckdose, ein Lichtschalter und eine Perücke an Nylonfäden.
Schad und Belanger kommen mit zusammenklappbaren Möbeln in den Saal, bauen zwei Stühle und einen Tisch auf, den sie dann unter die schwebenden Objekte schieben, so dass sie auf dem Tisch stehen. Beide erklären, welches Denk-Material sie verwenden. Eine rote Lampe wird gedrückt, wenn Ideen bekannt vorkommen oder in einer anderen Show schon einmal verwendet
worden sind. Sie leuchtet oft. Mit einem rasenden Monolog des
Dramaturgen Ben Anderson, etwas ungelenken und verhakelten
Bewegungssequenzen und einem aufgezeichneten Gespräch zwischen Schad, Belanger und Anderson, bei dem die beiden Anwesenden teilweise mitsprechen, teilweise auch allein weiterreden und tatsächlich da wieder ankommen, wo die Tonspur ausgesetzt hatte, verwischen die Grenzen zwischen Performance, Konzeption und Wiederholbarkeit des Zeitlichen. Zuletzt entrollen Schad und Belanger eine Leinwand, auf die ihr eigenes Abbild aufgedruckt ist, und gehen dann ab.

Doch der Weg von Good Work führt inzwischen nach anderswo. Seit anderthalb Jahren verlässt das Kollektiv für sein Projekt "Still Lives" den professionellen Kunstbetrieb, in dem vor allem Profis für Profis arbeiten und ein initiiertes Publikum ihnen in mehr oder weniger konfektionierten Formaten zuschaut.
Schad, ihr Partner Bruno Pocheron, der rumänische Tänzerchoreograf
Manuel Pelmus sowie der in Frankreich und Berlin tätige Tänzer, Choreograf und Pädagoge Frederic Gies wenden sich stattdessen den so genannten Laien zu. In bis jetzt sechs Städten - Berlin, Halle (a. d. Saale), Bucharest, Lille, Essen, Hannover -laden sie Interessierte zu einem gut einstündigen Performanceprojekt ein.

"Still Lives" versteht sich "demokratisch". Es gibt keine Auswahl bei den Teilnehmern: Wer sich anmeldet, macht mit. So setzen sich die Mitwirkenden von Stadt zu Stadt anders zusammen: Alte und Junge, Bürgerliche und Migranten, Arbeitslose, Beseelte und Gelangweilte. "Still Lives" bietet seine Struktur allen an, und alle Abende sind unterschiedlich. Sie sind ortsspezifisch in jeder Hinsicht. Sie folgen einer Arbeitsanleitung, um an unterschiedlichen
Orten mit Laien ein Tanzstück zu erarbeiten. Aber daraus entsteht
eben kein austauschbares Sozialmanöver, sondern ein stark reflektiertes künstlerisches Projekt, das sich in seinem Anspruch wohltuend abhebt von all den gut gemeinten therapeutischen Tanzprojekten, in denen selbst ernannte Ego-Experten gesellschaftliche Problemgruppen disziplinieren wollen.

Insofern - und auch wenn die Choreografin das gar nicht für
sich reklamiert - steht "Still Lives" in der hehren Traditionen der
Bewegungschöre und Laientanzgruppen der Weimarer Republik.
Zudem greift es den radikalen ästhetischen Impuls der I960er-
Jahre auf, als das Wort von der "fußgängerischen" Bewegung und
der "demokratischen Choreografie".geprägt wurde: Tanz und Bühnenarbeit nicht als elitäre Veranstaltung für ausgebildete Spezialisten und domestizierte Luxuskörper, die für ein Publikum tanzen, das physisch wie persönlich in anderen Welten lebt; sondern eine ständige Verbindung halten zwischen dem Treiben auf der Bühne und der Lebenswelt der Betrachter. Die agierenden Körper, die Gruppenkonfigurationen und choreografischen Aufgaben,
welche den Abend strukturieren: Es könnte jeder mitmachen, dem Grundsatz nach.

Die Formationen sind dementsprechend immer klar, wenn auch manchmal ein wenig pathetisch. Das Wechselspiel zwischen Raumfüllen (alle gehen umher und lassen "gleich viel Abstand zwischen sich"), Interaktion (beim Herumgehen hilft immer einer dem andern beim Hinsinken, ein anderer hilft beim Wiederaufstehen und sinkt dann selbst hin), Tableau (alle zusammen bilden große Schwärme), Auf-/Abtritte (in welchem Rhythmus die Ak-
teure ganz zu Anfang hereinkommen, wenn sie einzeln abgehen, aber nach einer ganz bestimmten Kadenz, wenn sie die Bühnenmitte leer lassen und sich pathetisch am Rand platzieren etc.) ist übersichtlich, schlicht, dabei wirkungsvoll und von einem zeitgenössischen Duktus geprägt.
Ein Soundtrack der besonderen Art bildet den Hintergrund und eine zusätzliche Lokalmarkierung. In tagelangen Recherchearbeiten sammeln die Mitglieder des Kollektivs auf den Straßen der jeweiligen Stadt Interviews und Ansichten von Passanten ein.

Sie alle werden gebeten, ein Bild zu beschreiben, das ihnen gezeigt
wird: Jeff Walls "Stumbling Block".
Jeff Wall ist bekannt für seine düsteren, hintergründig-raunenden Fotoarbeiten mit sorgfältig gestellten Tableaus, für die er gewaltige Sets baut, tagelang mit Schauspielern probt, raffinierte Beleuchtungseffekte ausklügelt, um dann Bildwerke zu produzieren, die zwischen Theater, Fotorealismus und Schnappschuss changieren.
Ein solches Bild sollen die Passanten beschreiben. Die Antworten, oft von verblüffender Komik, oft auch von schonungsloser Selbstoffenbarung, manchmal auch nur albern, werden über Raumlautsprecher zugespielt, später auch als Übertitel projiziert.

Das gesprochene Wort dominiert so immer mehr das szenische
Geschehen. Neben dem mundartlichen Lokalkolorit ersteht
durch die Insistenz der Ansichten und Auffassungen im Zuschauer ein eigenes Bild : Man meint irgendwann, das Werk selbst vor Augen zu haben, das von allen so unterschiedlich beschrieben und interpretiert wird. Dabei finden geradezu lyrische Schöpfungsmomente statt - in der Beschreibung wird das eigene Unverständnis verstanden.

Das Projekt war ursprünglich aus einem Ungenügen heraus entstanden. Zu sehr im Kunstbetrieb und den immergleichen Mechanismen der Antragstellung, Produktion und Gastspielreise verfangen, wollte das Team ein Format finden, welches künstlerische Arbeit und Realweltliches verbindet. Nicht im Sinne des Therapeutischen, versteht sich, sondern eben als Über-
schneidung von choreografischer Arbeit, Pädagogik und Wirklichkeitserfahrung.

Mit diesem Projekt arbeiten Good Work weiter. Jeweils einwöchige Recherchephasen und etwa drei Wochen Proben mit der Gruppe vor Ort sind notwendig, um das Bühnenmaterial vorzubereiten. Anfragen aus Belgien, Schottland und Österreich liegen bereits vor.

Workshopreisen und ausgedehnte Unterrichtstätigkeit in vielen europäischen Kontexten halten Schad von ihrer Homebase Berlin zunehmend fern. Dennoch gibt es Pläne, im eher glanzlosen Bezirk Wedding ein eigenes Produktions- und Probenhaus einzurichten. Die Raumsituation der Hauptstadt ist notorisch schlecht, und Unabhängigkeit von Vergabeprozeduren und Ver-
teilungskämpfen für viele Choreografiekünstler ein Wunschziel.
Es geht eben darum, sich eine eigene Wirklichkeit zu schaffen, aber mit den Mitteln der anderen. Auch das ist bekanntlich (eine) Kunst: das eigene Tun als Realitätsgenerator.

zitty Online : Bühne - Vorbericht

Ich sehe was, was du nicht siehst

Die Frau fällt nach vorn. Der Grund ist ein Mann. Wie eine absurde Erscheinung, eine unförmige braune Raupe liegt er in einer Art Rüstung mit Helm mitten auf dem Gehsteig. Den Japaner mit Anzug und Aktentasche, der auf dem Bürgersteig sitzend vor sich hinstarrt, scheint das alles nicht zu interessieren. Im Hintergrund sieht man Hochhaus-Fassaden und Passanten. So könnte man anfangen, das Foto „The Stumbling Block” des bildenden Künstlers Jeff Wall zu beschreiben.

Und was sieht Isabelle Schad? Sie lacht. Seit Monaten zeigt die ehemals klassische Balletttänzerin, die später bei Wim Vandekeybus tanzte, Passanten in europäischen Städten Walls Straßenszene und lässt sie beschreiben, was sie sehen. Aber sie selbst, gesteht sie, hat das bisher noch nicht versucht. „Also da ist ein Typ in Eishockey-Montur. Eine Frau stolpert über ihn, aber ihr Gesicht ist leer, gar nicht überrascht.” Schon erwacht Protest unter den Kollegen. Frédéric Gies sieht es anders: „Die Frau realisiert einfach noch nicht, was passiert.” Also, wirft die Produktionsleiterin ein, sei sie doch überrascht?

Ich sehe was, was du nicht siehst. Manche halten den Mann im Eishockey-Harnisch für einen gestürzten Motorradfahrer, andere assoziieren einen Obdachlosen. Kein Bild ist einfach nur ein Bild, unabhängig von dem, der es betrachtet. Die Soziologie, die Philosophie oder Medientheorie hat das schon lange beschäftigt: Wer in die Welt schaut, tut das immer aus einem bestimmten Blickwinkel, und von diesem Winkel hängt ab, was man erkennen will und kann. Wer 100 Wörter für Schnee hat, wie es das Sprichwort von den Eskimos behauptet, sieht auch 100 verschiedene Schneearten.

Die choreografische Performance „Still Lives” des Kollektivs Good Work in den Sophiensælen macht das auf sinnliche Weise erfahrbar, ohne dass Wort und Bild einfach nur plump zur Deckung gebracht werden. Über 30 Berliner zwischen 20 und 70 Jahren, Profis und Laien mit den verschiedensten Lebens- und Arbeitshintergründen, haben zu den mitgeschnittenen Bildbeschreibungen der Berliner Passanten eine einfache Choreografie erarbeitet. Die Darsteller gehen, fallen, wie die Menschen bei Jeff Wall, dessen Foto sie natürlich ebenso wenig wiedergeben können sie die Passanten zuvor. Die Körper und die Stimmen ergänzen einander, aber sie illustrieren sich nicht. Was hier welchen Sinn macht, liegt einmal mehr im Auge des Betrachters.

Die Tänzer und Choreografen Frédéric Gies (Frankreich), Manuel Pelmus (Rumänien), Isabelle Schad (Deutschland) und den französischen Performer, Licht- und Bühnendesigner Bruno Pocheron interessierte ursprünglich, wie Menschen sich und ihre Umwelt wahrnehmen. Welches Bewusstsein haben sie für die eigene soziale und körperliche Realität? Der erste Versuch, das herauszufinden, ging schief. Die Künstler fragten nach, ganz direkt, auf der Straße. Doch das Gewicht von Begriffen wie „Körper-Repräsentation” und der didaktische Gestus einer solchen Umfrage verschreckten die einen, wenn sie unvorbereitet vor dem Gemüseladen oder beim Joggen im Park damit konfrontiert wurden. Andere beantworteten „Welches Verhältnis hast du zu deinem Körper?” mit ellenlangen Krankengeschichten.

Ein Filter musste her, eine Aufgabe für die Befragten, eine Wahrnehmung in Echtzeit. Die Passanten bekamen „The Stumbling Block” in die Hand gedrückt. Und plötzlich passierte es von allein: Die Bildbeschreibungen wurden zum Echo persönlicher Lebensumstände, von Ängsten, Wünschen, Hoffnungen, aber auch von Vorurteilen und Feindbildern. Störten sich in Berlin viele an den cleanen Hochhausfassaden und wünschten sich mehr Grün, wurden in Bukarest dieselben Glaspaläste mit Faszination als Kathedralen des Kapitals und das Versprechen von Wohlstand und Aufschwung betrachtet. In Lille sprachen die Menschen immer wieder über das Gewaltpotenzial, das in der Szene steckt – ein halbes Jahr vorher waren die Zusammenstöße der Polizei mit Jugendlichen in den Pariser Banlieues auch auf ihre Stadt übergesprungen.

Jeff Walls fotografische Pseudo-Wirklichkeit eignet sich so gut als Projektionsfläche, weil sie dem Betrachter den Anschein einer Normalität vortäuscht, die ihm auf den zweiten Blick Rätsel aufgibt. Zuerst wirken die Aufnahmen banal und alltäglich wie ein Schnappschuss. In Wahrheit werden sie vom Künstler mit immensem Zeit- und Materialaufwand, mit der Unterstützung ganzer Produktionsteams und sorgsam gecasteten Darstellern inszeniert. Irritation säht Wall im Detail: in „The Stumbling Block” dem unmotivierten Eishockey-Dress oder dem Anzugträger am Boden, wo in solch geleckter Umgebung sonst höchstens Penner oder Bettler hocken. Auf einem seiner anderen Bilder lauert ein Mann hinter einem PKW in der Position eines Schützen mit Gewehr im Anschlag – nur ohne Gewehr.

Ihre Interviews führen die Macher von „Still Lives” an Orten, die verschiedene Gesichter einer Stadt widerspiegeln: In-Bezirke, Randgebiete, soziale Brennpunkte. Nach Bukarest, Halle, Lille und Essen ist Berlin die fünfte Station von „Still Lives”. Schad, Gies und Pocheron leben und arbeiten hier. Trotzdem mussten sie feststellen, wie wenig sie von der eigenen Stadt kennen. Der durchschnittliche Lebensradius reicht in der Tanzszene eben doch eher von Prenzlauer Berg bis Kreuzberg als von Charlottenburg bis Marzahn. Und obwohl im Marzahner Erholungspark kaum jemand so redselig war wie die entspannten Kreativen im Prenzlauer Berg, ging Good Work weiter auf Stimmen-Fang. Entstanden ist eine akustische Kartografie und, obwohl es doch eigentlich nur um ein Foto geht, ein sehr intimer Soundtrack einer Stadt und ihrer Menschen. Jeff Walls Bild selbst ist auf der Bühne übrigens nicht zu sehen. Wozu auch – am Ende nimmt ohnehin jeder eine eigene Version davon im Kopf mit nach Hause.

21., 22., 26.-29.7., 20 Uhr, Sophiensæle.
Konzept und Realisierung: Frédéric Gies, Manuel Pelmus, Bruno Pocheron, Isabelle Schad, mit 40 Berliner Akteuren.

Sophiensæle
Constanze Klementz 21.07.2007

Frédéric Gies, Manuel Pelmus, Bruno Pocheron, Isabelle Schad
Still Lives – Berlin

Tanzraum - Berlin, Juli / August 2007

Das Projekt Still Lives ist Teil unseres Gesamtprojektes Good Work, das wir im Jahr 2003 ins Leben gerufen haben.

Good Work ist ein Netzwerk von und zwischen Künstlern und strebt durch seine horizontale Arbeitsstruktur ein Zirkulieren von Ideen, Wissen, Information, Körperpraktiken und choroegrafischer Schreibweisen an. Unser Ziel ist es, nicht-hierarchische Arbeitsmethoden zu erforschen, die der Entwicklung zeitgenössischer Performancearbeiten dienen. Unser Hauptaugenmerk liegt dabei auf den wechselseitigen Beziehungen kultureller Theorien, Körperpraktiken und digitaler Technologien.

Still Lives entstand also zunächst aus dem Wunsch der ChoreografInnen bzw. KünstlerInnen Isabelle Schad, Bruno Pocheron, Manuel Pelmus und Frédéric Gies ein gemeinsames Prjekt zu erarbeiten. Dieses Projekt wurde als ein site-specific–project konzipiert, das in mehreren Städten durchgeführt wird, jeweils angepasst an die lokalen Gegebenheiten und mit lokalen (Laien-) Darstellern. 2006 haben wir Still Lives in mehreren Städten erarbeitet: in Lille, Halle, Essen, Bukarest und in einer besonderen, installativen Variante in Berlin.

Still Lives beginnt in den Straßen. Wir zeigen Menschen die Fotografie "Stumbling Block" von Jeff Wall und zeichnen ihre Beschreibungen und Kommentare auf (Audio). Dieses Bild, das städtisches Leben in der post-industriellen Gesellschaft thematisiert, ist eher unspektakulär und hat dennoch, wie alle Bilder von Jeff Wall, ein starkes theatrales Element und dramatisches Potential. Es stellt für die Menschen ein gutes Ausgangsmaterial dar - eine Art Filter, um ihre Sichtweisen und Meinungen zu reflektieren und zu formulieren.

Im Juli setzt sich das Projekt dann auf der Bühne fort, wo wir versuchen, die Aussagen der verschiedenen Menschen, die wir auf der Straße angesprochen haben, dramaturgisch und choreografisch umzusetzen.
Dies geschieht im Rahmen eines Workshops mit einer Gruppe nicht-professioneller, freiwilliger Teilnehmer aus Berlin. Die Workshopteilnehmer sind dabei nicht identisch mit den interviewten Personen. Wir versuchen stets, Menschen aller Altersstufen mit verschiedenen sozialen und kulturellen Hintergründen für unser Projekt zu gewinnen, um eine möglichst heterogene Gruppe zusammenzustellen.
Der Workshop an sich ist darauf ausgerichtet, am Körperbewusstsein durch Bewegung zu arbeiten, und dies in Beziehung zu setzen zu kreativer und choreografischer Arbeit. Auch wenn der Workshop letztlich zu öffentlichen Präsentationen auf einer Bühne führt, geht es uns um eine prozessorientierte Praxis, die das Experiment und eine detaillierte Untersuchung des Körpers in Bewegung fördert bzw. in den Vordergrund stellt.

Für die Performance selbst werden die gesammelten Interviews in die Form eines kontinuierlichen Sound-Tracks gebracht und in den Bühnenraum übertragen. Szenische und choreographische Elemente, die wir im Workshop im Verhältnis zu den Interviews entwickeln, werden neben diesen Soundtrack gestellt, um verschiedene Ebenen der Wahrnehmung zu eröffnen.

Die Bühnenarbeit möchte, indem sie die Gruppe und die Stimmen der interviewten Leute in den theatralen Raum der Repräsentation bringt, verschiedene Gedanken und Ideen über diesen Raum freisetzen: Grenze zwischen Realität und Fiktion, Ort für Imagination, Projektion, Illusion oder Manipulation. Wir sind in diesem Projekt ganz klar daran interessiert, Verbindungen zwischen Körper und sozialpolitischen Kontexten zu erforschen, und daran interessiert, mit der Gruppe eine Reflektion über individuelle und kollektive Arten der Wahrnehmung von Welt und Selbst zu entwickeln.

(Isabelle Schad und Susanne Beyer für Still Lives / Good Work)

Monday, October 30, 2006
Still Lives

Still Lives performance show was presented in Bucharest on 27 and 28 October at the National Center for Contemporary Dance(www.cndb.ro) . The show actually began two weeks earlier when the project’ team interviewed different people in the center of Bucharest. The people were asked to comment upon Jeff Wall’s photography “The Stumbling Block”. Interviews were taken in Romanian, French and English. These interviews were consequently edited as to form a three-part show. The audience heard the interviews and they could see the Romanian subtitles on the screen. At a certain moment people appeared on the stage and then several choreographic moments were performed until the end of the show. Wall’s photography was not shown.
The project began as a part of a larger platform named Good Work initiated and developed by Berlin-based artists Frédéric Gies, Bruno Pocheron and Isabelle Schad. I had the chance to have a chat and a glass of wine with them after the show. They were very kind in talking with anybody interested in their project and in casual chat as well. The show was previously held in France in Lille and in Germany in Essen and Halle, respectively. The main idea of the project was to investigate the body’s status in a certain social and cultural context and to look at how people relate to this matter. The show managed to reveal something special about people’s perceptions and about the space they live in. This came out as people in France talked a great deal about violence as people in Romania talked about the events in 1989. These were of course just one of the topics touched by the people who were interviewed. It happened that I encountered Bruno, Isabelle, Frederic and Manuel Pelmus, the Romanian collaborator for the show, when they were taking the interviews. My interview appeared in the performance and they transformed it in a special moment. Basically I interpreted Jeff Wall’s photography as a pictorial response to the accident issue. Paul Virilio, one of the leading cultural theorists places the accident at the heart of the post-industrialized, informational civilization. When I was asked about the song that could best fit this image I thought about The Verve’s video for “Bittersweet Symphony”. The interview then ended with the beginning of the song and all the dancers felt like in domino game and lay on the ground. They told me that the audience at the first show held on Friday thought that it was the end of the show. I saw the second one on Saturday, October 28. However it continued with the third part. The show lasted for around 80 minutes.
The show was very much appreciated by the audience. Personally I found it to be great, and there is a long time since I’ve seen such an original and well done show. This was not only my opinion. The greatest thing about it is the very idea and the way it was done. “Still Lives” means exactly that, a perspective concerning people’s lives in a certain cultural and social context and the interplay between this and their personality and the way of seeing themselves and the world around them. It touches the issue of the way in which we relate to the space we live in and how much we are influenced in our perception by it. Although it used very few means of artistic expression, the show’s idea was powerful and compelling.

posted by Vicentiu Garbacea @ 4:16 AM

Bienenschwarm tanzt Stadtempfindungen
Tanzprojekt "still lives" in Bukarest aufgeführt
/ Von Robert Kaak

"Ich reise zwischen der Artikulation einer Idee und der Umsetzung mit dem Körper", sagt Isabelle Schad (Deutschland) über ihre künstlerische Arbeit als Tänzerin und Choreografin. Vom Ergebnis einer dieser Reisen konnte sich das Bu-karester Publikum vergangene Woche im Rahmen der Deutschen Tanztage während zweier Vorstellungen im Nationalen Tanzzentrum (Centrul National al Dansului) überzeugen. Gemeinsam mit ihren Kollegen Bruno Pocheron (Frankreich) sowie Manuel Pelmus (Rumänien) und Frédéric Gies (Frankreich) inszenierte die Künstlerin das Projekt "still lives", das bereits einmal in Bukarest, außerdem in Essen, Halle sowie in Lille aufgeführt wurde.

Körper und sozio-politischer Kontext der jeweiligen Stadt stehen im Focus der tänzerisch-performten Aufführung "still lives". Den audio-visuellen Rahmen bilden Interviews, die auf der Straße - in diesem Fall in Bukarest - geführt wurden und so fortwährend den "Menschen" in städtischem Erleben und vor urbanem Hintergrund präsent halten. In den Interviews befragte man Fußgänger zu einer Fotografie von Jeff Wall ("The Stumbling Block"), die ein paar Menschen auf dem Fußweg vor einem Glashochhaus zeigt - gehend, sitzend, hockend oder sogar liegend. Die Antworten wurden während der Darbietung als Schriftzeile auf einer Leinwand sowie über Lautsprecher eingespielt und ließen das Publikum mehr als einmal amüsiert schmunzeln.

Zwei Wochen lang hatten die Künstler vor der Aufführung mit einer Bukarester Laientanzgruppe vor Ort gearbeitet und mit den beiden Vorstellungen das Ergebnis der gemeinsamen Arbeit präsentiert. Laien bedeutet nicht notwendig laienhaft, und so bescherte die hiesige Tanzgruppe dem Bukarester "still lives" einen eher erfrischenden Schuss improvisatorisch-tänzerischer Ursprünglichkeit, was zudem das Nebeneinander sowie die Verbindung der grundsätzlich spontanen Straßeninterviews und der choreografisch erarbeiteten Liveperformance erleichterte. Denn das laufende Band mit den Aussagen der Interviewten lieferte gleichzeitig den Kontrapunkt zur körperlichen Auseinandersetzung der Darsteller, die mal vereinzelt, doch meist zusammen auf der Bühne agierten (ca. 20). Wie ein Schwarm von Bienen waren oft ihre Bewegungen, nur vermeintlich unkoordiniert oder gar durcheinander. Fast unhörbare Zeichen ließen beeindruckende Formationen entstehen, die sich urplötzlich wieder zerschlugen, und damit war der Einzelne abermals sich selbst und seinen Ausdrucksweisen überlassen.

Als Zuschauer wurde es beinahe beängstigend, als die Gruppe der Darsteller plötzlich auf das Publikum zuströmte und in nur geringem Abstand verharrte. Doch zu Stadtempfindungen gehört auch Enge, Bedrohung und Angst. Und in diesen Momenten die Augen zu schließen, bedeutet ein Stück Erleben weniger - während "still lives" und in Bukarest.

http://www.adz.ro/kultur.htm


Project Still Lives at National Dance Centre Bucharest
30 bodies show what you hear

On 27th and 28th October, the Ronda Hall of the National Centre for Dance in Bucharest hosted the project Still Lives. The performance is collaboration between Goethe Institute and CNDB, within "German Dance Festival Bucharest". The performance starts off with the Jeff Wall photo, The Stumbling Block (1991). Concept and realisation of Frederic Gies, Manuel Pelmus, Bruno Pocheron and Isabelle Schad.

Not so much spectacular as rather pointing out faults of a bureaucratic society, the photo turns out to be an excellent framework for collective contemplation and various opinions. The concept stays the same, while its outline and structure change depending on the country and city where it is formulated.

Before reaching Bucharest, the performance was staged in Lille, Halle and Essen. People on the street are invited to describe Jeff Wall’s photo and say what piece of music would go with it. In the hall, words of people interviewed in Bucharest can be heard and seen, as they are projected on the large screen in front of the stage, serving as single background. On the stage, 30 people, most of which unprofessional, manage to compose themselves into the bodily expression of the words heard. As the recordings are played, the cultural background and the communication level of people on the street become obvious.

Obsessions. And not only. What astonishes is rather the perception level of the interviewed and the social obsessions with which most of them are stuck; images of the Revolution, of chaos and religious or social conspiracies are mentioned recurrently.

A Canadian among the interviewed recognised the photo and related it to the Bitter Sweet Symphony song. The hall echoed with The Verves and images and sound matched into a puzzle. The organisers stated that Still Lives project aims to both an insight into the various approaches to the world and to build an area where the public may contemplate its own perceptions. Still Lives explores at the same time the connections between the body and the social-political context.

Still Lives. 27th and 28th October 2006, Ronda Hall, 19.30 hours. Concept and realisation: Frederic Gies, Manuel Pelmus, Bruno Pocheron, Isabelle Schad. Duration: about 75 min. Production: Good Work Productions/Cie Isabelle Schad. Technical realisation: Bruno Pocheron, Olivier Heinry Management: Wassili Zygouris. Performance staged in partnership with Goethe Institute, Bucharest.

http://www.supliment.polirom.ro/article.aspx?article=626

Published 7 November 2006