Hoffnungsträgerin des Jahres 2015

Jahrbuch_tanz 2015, Hoffnungsträgerin Tanz: Isabelle Schad. von Sandra Luzina

pic: Laurent Goldring

Seit sieben Jahren arbeiten die deutsche Choreografin Isabelle Schad und der französische Künstler Laurent Goldring schon zusammen. Hebbel am Ufer widmete den beiden im Mai 2015 eine Werkschau mit dem Titel «On Visibility and Amplifications». «Wir haben etwas ganz Eigenes miteinander gefunden», schwärmt Isabelle Schad über die Zusammenarbeit mit Laurent Goldring. Schad geht von einem ganzheitlichen Verständnis des Körpers aus: Wichtige Einflüsse sind für sie die Praxis des Body-Mind Centering (BMC) sowie asiatische Techniken wie Aikido, Qigong und Shiatsu. Nun gibt es mittlerweile viele Choreografinnen, die sich auf BMC berufen – was man ihren Arbeiten aber nicht unbedingt ansieht. Isabelle Schad gelingt es dagegen in ihren Stücken, die Körpererfahrung mit einem strengen Formdenken zu vereinen. Auch dank Goldrings Schule des Sehens.
Aus dem Zusammenspiel der beiden Künstler entstand das Konzept des «Verstärkers». «Er sagte zu mir: Okay, du arbeitest mit Körpersystemen und Zellen, aber man sieht das nicht von außen. Da brauchen wir einen Verstärker», erzählt Schad. Verstärker – das können lange Stoffbahnen sein wie in «Der Bau» oder das zu große Kostüm in der Reihe «Unturtled», eine Extra-Hülle, die nichts versteckt, sondern etwas sichtbar macht. Das kann auch die Gruppe sein wie in «Collective Jumps», wo die Glieder der 16 Tänzer sich zu faszinierenden Mustern verketten. Der Einzelne wird absorbiert von einem kollektiven Körper, der sich in ständiger Wandlung befindet. Die Individuen sind eingebunden und fühlen sich den anderen verbunden. Isabelle Schad veranschaulicht in «Collective Jumps» ein spannendes Paradox: Wo die Besonderheit des einzelnen Performers im Kollektiv zu verschwinden scheint, tritt sie nur umso deutlicher hervor.

Sandra Luzina

Published 14 March 2016